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Es fehlt der "innere Kompass"

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So langsam verstehe ich unser restriktives Meinungsklima, wenn der CSU-Politiker, Weber,  von einer „finalen Lösung der Flüchtlingsfrage“ spricht.

„Im Jahr 2018 ist das zentrale europäische Thema die finale Lösung der Flüchtlingsfrage“ (Zitat Interview BR)

Gleichzeitig fordert die CSU, muslimische Flüchtlinge mit antisemitischer Einstellung auszuweisen.

Mit Reminiszenzen an den Nationalsozialismus wird derzeit wirklich nicht sparsam umgegangen, in der einen, wie in der anderen Richtung.

Nach der Bundestagswahl sagte ein deutscher Politiker im belgischen Fernsehen, dass ein Vergleich zwischen AfD und der NSDAP eine beispiellose Verharmlosung des Nationalsozialismus darstelle und hatte wohl Recht damit.

Die AFD-Vize Beatrix von Storch sprach kürzlich in einem Tweet von „barbarischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden“ und meinte damit wohl die Übergriffe zu Sylvester 2015 und 2016 durch Nordafrikaner und Araber in deutschen Großstädten. Sie regte sich darüber auf, dass die Kölner Polizei Neujahrsgrüße auf Arabisch twitterte. Storch bekam hunderte von Anzeigen wegen Volksverhetzung für ihren Tweet, auch von der Kölner Polizei.

Aus einer Burka (wie viele Frauen tragen in Deutschland Burkas?) wird eine Staatsaffäre und um einen Halbmond auf einem Kinderspielplatz ein Drama gemacht.

Den Leuten scheint der „innere Kompass“ zu fehlen. Etwas konkreter scheint vor allem vielen Politikern der „innere Kompass“ abzugehen.

Wenn ein ehemaliger Richter, Jens Maier, der jetzt für die AfD im Landtag sitzt, den Sohn von Boris Becker per Twitter als “kleinen Halbneger” bezeichnet, bekommt man den Eindruck, dass Anstand auch nicht mehr gewollt ist.

Statt Realitäten zu benennen und dort zu verbleiben, werden Schlagworte in die Diskussion geworfen, die an den Realitäten weit vorbeigehen und einfach nur provozieren sollen.

Oder nicht?

Die andere Interpretation ist noch viel grässlicher, dass vielen Personen unseres öffentlichen Lebens schlicht und einfach, die Fähigkeit abgeht, moralische Grenzen zu spüren.

Wer von einer „finalen Lösung der Flüchtlingsfrage“ spricht und hinterher behauptet, man habe ihn bösartig missinterpretiert, scheint das innere Gefühl für das verloren zu haben, was anständig ist.

Einen solchen Bildungsmangel kann es bei einem CSU-Vize doch gar nicht geben, dass er mit nationalsozialistischen Zitaten spielt und sich dessen nicht bewusst ist.

Wie kann man den muslimischen Antisemitismus, der ja ein religiöses Hassgefühl ist, mit dem nationalsozialistischen Antisemitismus vermischen, der nicht die Spur religiös war und auf eine faschistische Vorstellung von Rassenhygiene zielte? Wie kann man daraus die Argumentation ableiten, dass man Moslems mit antisemitischen Einstellungen ausweisen müsse? Da geht alles durcheinander, was durcheinander gehen kann.

Schlicht und einfach moralische Orientierungslosigkeit würde ich das nennen.

Der Fall Storch und die Kölner Polizei. Warum soll die Polizei keine Neujahrsgrüße auf Arabisch senden (was sie schon länger tut)?  Warum darf Storch den Umstand, dass sich bei den letzten beiden Jahreswechseln marodierende barbarische und gruppenvergewaltigende Männerhorden herumgetrieben haben, nicht so benennen, wie er, mit einer gewissen Wut, benannt werden kann? Vor allem, was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Wird da nur Stunk gesucht. Oder fehlt es an innerer Differenzierungsfähigkeit?

Haben wir es inzwischen in den Spitzen von Politik und Verwaltung mit Idioten zu tun? Oder ist die Moral zum Teufel?

Die AfD beunruhigt mich nicht im Geringsten (die Grünen mit ihrem außenpolitischen Konfrontationskurs beunruhigen mich sehr viel mehr). Aber der Diskurs über moralische gesellschaftliche Werte beunruhigt mich. Denn er zeugt von extremer, moralischer Unsicherheit in der Begriffssetzung und einer geradezu erschreckenden Unfähigkeit, menschliche Realitäten angemessen zu benennen.

Man erinnert sich noch an die Forderung der AfD, unsere Grenzen zu schützen, als die Flüchtlingsströme mehr oder weniger unkontrolliert und in Massen nach Deutschland kamen. Frage der Grünen war damals, ob die AfD denn die Flüchtlinge durch Schusswaffen an der Einreise hindern wolle?

Wieso Schusswaffen, wieso die Assoziation zur innerdeutschen Grenze, einer grausamen Unrechtsgrenze? Haben ungarische Grenzer Flüchtlinge erschossen?

Wem fehlt denn in einem solchen Diskurs das Gefühl von moralischen Grenzen in der Begriffssetzung? Ganz offensichtlich auch den Grünen.

Ja, lautet das Resumé, die Moral ist zum Teufel, trotz oder wegen zweier Jahrzehnte „politischer Korrektheit“. Das gibt zu Denken.

Erinnern wir uns an die DDR? Da gab es keinen Faschismus, keinen Rassismus und stattdessaen viel Völkerfreundschaft, die nur durch den Klassenfeind bedroht wurde.

Das war verordnet, ähnlich wie die politische Korrektheit der vergangenen Jahre. Ganz offensichtlich kann man das aber nicht verordnen, denn nach der Wende wurde eben diese antifaschistisch erzogene Bevölkerung recht anfällig für die Neonazi-Bewegung.

Ein politischer Reifungsprozess braucht einen Diskurs. Aber ohne eine verbindliche Moral enden wir vielleicht wie die Weimarer Republik. In einer politischen Kakophonie, in der plötzlich alles gesagt werden kann, weil Moral zu einer reinen Machtfrage verkommt, wenn sie erst richtig ausgehölt wurde.

Der Treiber für diese Entleerung moralischer Werte ist natürlich heute, wie damals der Kapitalismus und stoppen lässt sich der Zerfall der politischen Fairness nur durch eine verbindliche ökonomische Fairness, die dann aber Machtverhältnisse ändern muss.

Sind wir überhaupt noch im Stande, das zu denken?

Ganz offensichtlich nicht.

Statt uns Rassismen der einen oder anderen (inversen) Art um die Ohren zu hauen, sollten wir lieber anfangen, die wirtschaftlichen Machtverhältnisse zu ändern, denn auch beim Übergang von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus blieben eben diese Machtverhältnisse unanagetastet und unterstützten die Dikatatur. Das könnte wieder so kommen.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 08. Februar 2018 um 17:20 Uhr  

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