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Start Neuigkeiten Jenseits vom neoliberalen Trümmerfeld - Ein Diskussionspapier . Folge 2 von 5

Jenseits vom neoliberalen Trümmerfeld - Ein Diskussionspapier . Folge 2 von 5

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2. Reformen des "Arbeitsmarktes"

Der erste Schritt einer solchen Reform betrifft zwangsweise den „Arbeitsmarkt“- den ich stets zwischen Anführungszeichen schreibe, da ich der Meinung bin, dass dieses Wort eine Anspielung an die Gleichstellung von Menschen mit Waren beinhaltet - und muss den Weg zu einem einklagbaren Recht auf Arbeit ebnen.

Ein „Recht auf Arbeit“ war auch in der DDR-Verfassung verankert, aber dort fehlte es an den Rahmenbedingungen, um die Arbeit sinnvoll zu verteilen und an jedem Anreiz, bessere Arbeit zu leisten.

Daher mündete die „universelle“ Arbeit in eine „universelle“ Flut von ABM und –volkswirtschaftlich wertlosen – Scheinbeschäftigungen, die letztlich zum Umsturz des Systems entscheidend beitrug.

Bei einem neuen Lösungsansatz sind diese Fehler aus der Vergangenheit gebührend zu berücksichtigen:

Arbeit muss volkswirtschaftlich gewinnbringend sein und der Arbeitnehmer soll auch seiner Leistung entsprechend entlohnt werden.

Auch eine Fixierung auf einem Staatsmonopol der Wirtschaft hat sich nirgends bewährt und eine solche Konstruktion wäre darüber hinaus im internationalen Gefüge nicht praktikabel. Deswegen werde ich in meinen Ausführungen von einem Fortbestehen der privaten Betriebe parallel zu einer wachsenden Rolle des Staates als Unternehmer ausgehen.

Grundsätzlich sollten diese beiden Wirtschaftszonen nicht in Konkurrenz zu einander treten.

Dies würde man erreichen, indem die Gewinnerwartungen staatlicher Betriebe niedriger als die in der Privatwirtschaft ansetzt, so dass der Staat vornehmlich in Bereiche einsteigt, die die Privaten wegen geringer Rentabilität vernachlässigen.

Der Staat hat es nicht nötig, sich selbst monetär zu bereichern, so dass er vor allem das Gemeinwohl der Bevölkerung vor Augen haben kann.

Auch hat der Staat den längeren Atem und kann längerfristig als die Privaten planen, um längerfristig doch die volkswirtschaftliche Gegenleistung für seine Aktivität zu erhalten.

Diese kann auch in einer Steigerung der allgemeinen Produktivität, in einer Schonung der Umwelt, in einer Erhöhung der Binnennachfrage nach Gütern aufgrund gebesserter sozialen Zustände und Wegfall der heute grassierenden Kaufzurückhaltung einer Gesellschaft, deren Leben nicht mehr planbar ist.

Die Sicherheit, nie dem heute häufig drohenden sozialen Abstieg ausgeliefert zu sein würde dazu auch zu weniger Zurückhaltung bei der Familienplanung verantwortungsbewusster Eltern führen und damit auf längere Sicht das Loch in den Rentenkassen stopfen.

Es hat sich gezeigt, dass die Aufgabe der Verwaltung des sog. Arbeitsmarktes, die „menschliche Auslese“, nicht gänzlich, wenn überhaupt, der privaten Wirtschaft überlassen werden kann, da diese naturgemäß sich von ihrer Tätigkeit die höchstmöglichen Gewinne verspricht und daher für die volkswirtschaftliche, gesellschaftliche Aufgabe der Vollbeschäftigung nicht empfänglich sein kann.

Daher muss der Staat hier selbst initiativ – nicht nur regulativ -eingreifen und den Vorsatz „Vermittlung geht vor Leistung“ mit Leben erfüllen.

Jede Vermittlung in ein Beschäftigungsverhältnis sollte Ausbeutung verhindern und dem Grundgesetzprinzip der Unantastbarkeit der Menschenwürde Rechnung tragen.

Es wäre auch nicht im Sinne einer gerechten Sozialreform, wenn für gleiche Arbeit sehr ungleiche Entlohnungen bezahlt würden.

Daher ist die Festlegung eines gesetzlichen Mindestlohns Bedingung für jede weitere Betrachtung.

Ich schlage zwei Grundpfeiler staatlicher Betätigung an der Arbeitsmarktpolitik in zeitlicher Reihenfolge vor:

1. Wiederherstellung des Staatsmonopol der Arbeitsvermittlung

2. Gründung von wirtschaftsorientierten Staatsunternehmen (falls 1. allein nicht ausreicht)

1. Die verzettelte und damit mehr als unvollständige Erhebung von Daten über vorhandene freie Stellen erschwert unnötigerweise einerseits die Besetzung derselben und anderseits die Arbeitssuche.

Angesichts der bestehenden Einwanderungsgesetze, die einen Arbeitsplatz als Bedingung für die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis für Nicht-EU-Ausländer vorsehen, ist es auch unerlässlich, über zuverlässige Daten über den „Arbeitsmarkt“ zu verfügen, um sinnvolle Entscheidungen über Quotenregelungen zu treffen.

Da, wie ich später ausführlich erläutern werde, vor allem im Bildungsbereich ein Bedarf nach – den Gegebenheiten angepassten - Prognosen besteht, ist es vonnöten, über eine solide Grundlage zu verfügen, um den voraussichtlichen Bedarf an Arbeitskräften in dem einen oder den anderen Beruf zu ermitteln.

Wenn es nicht Allgemeinwissen ist, welche Firma welche und wie viele Stellen zu besetzen hat, dann hat die Arbeitsvermittlung einen schweren Stand und läuft konkret Gefahr, Arbeitsangebote in der näheren Umgebung des Bewerbers nicht zu berücksichtigen, und damit unnötige Umzüge und lange Anfahrten zu veranlassen, oder die Bewerber auf berufsfremde Tätigkeiten zu verweisen, trotz Verfügbarkeit von freien Stellen im gelernten Beruf.

Es sollte an dieser Stelle auch nicht verschwiegen werden, dass es Unternehmen gibt, die zögern, frei Stellen öffentlich auszuschreiben, um sich die Einstellung von Bekannten oder die Anwerbung von bereits in anderen Unternehmen Tätigen, die bestimmten „Netzwerken“ angehören, nicht zu verbauen.

Die Tätigkeit von Personalberatungsfirmen ist auch nicht von Schuld frei zu sprechen, da hier oft eher nach „optischen“ Kriterien, wie Alter, Geschlecht, vermeintliche „Teamfähigkeit“, subjektiv empfundenes „sicheres Auftreten“ als nach rein fachlichen Gesichtspunkten entschieden wird.

Es braucht auch nicht zu überraschen, dass die „Generalisten“ der Personalberatungen in den meisten Fällen nicht mit den konkreten Anforderungen einer bestimmten Stelle in einem bestimmten Bereich vertraut sein können, da sie selbst dort fachfremd sind, und daher nach standardisierten Allgemeinverfahren, wie die „Assessment Centers“ vorgegangen wird.

Damit werden in vielen Fällen eher die smarten Blender bevorzugt, die dann im richtigen Arbeitsleben das fachliche Wissen nicht beherrschen und manchmal auch nicht bereit sind, eine mangelnde fachliche Qualifikation durch Selbststudium und Heranziehung von Experten zu ergänzen.

Ich konnte selbst in meiner 25-jährigen Tätigkeit bei pharmazeutischen Firmen eine große Anzahl von Personen beobachten, die entweder durch die Personalberater oder durch Beziehungen in Firmen in gehobenen Stellen geschleust und mit viel „Wind im Rücken“ empfangen wurden, aber nach wenigen Monaten ihre fachliche Inkompetenz nicht mehr unter dem Schleier der schönen Worte überdecken konnten.

In Der Zeit vom 02.02.2010 steht wörtlich:

Dass Vitamin B nützlich sein kann, ist mehr als eine Redensart, das legt auch eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) nahe.

Ihr zufolge kommen 30 bis 40 Prozent aller Jobsuchenden heute durch persönliche Verbindungen an einen Arbeitsplatz.“

Es kommt auch immer wieder vor, dass Bewerber, die von der Arbeitsagentur vorgeschlagen werden, gegenüber denen, die sich „auf dem freien Markt“ beworben haben, mit einem Hinweis auf „mangelnde Initiative“ benachteiligt werden.

Wenn alle Bewerber von der öffentlichen Vermittlung kommen, dann kann es keine solche Diskriminierung mehr geben.

Heute gilt der Satz „Zeit ist Geld“. Man sollte sich fragen, wessen Zeit im heutigen Alltag als geldwert anerkannt wird.

Sicherlich nicht die Zeit der Arbeitssuchende, die Stunden, Tage, Monate, wenn nicht sogar Jahre völlig unproduktiv auf Stellensuche vergeuden müssen.

Seitens der „Leistungsträger“ stellt sich niemand die Frage, wie teuer ein langwieriges Auswahlverfahren für die Gesellschaft (und für die Betroffenen) ist.

Ein einfaches und sehr optimistisches Beispiel: Ein arbeitslos gewordener Bürokaufmann bewirbt sich ab dem ersten Tag seiner Arbeitslosigkeit täglich auf eine Anzeige in der Tageszeitung.

Bis zur Arbeitsaufnahme bei einem neuen Arbeitgeber verstreichen 40 Werktage.

Bei einem Gehalt von 10 Euro/Stunde und einer Arbeitszeit von 8 Stunden am Tag gehen allein durch die zeitliche Verzögerung 3.200 Euro verloren.

Das Zusammenstellen von „Bewerbungsmappen“, d.h. fotokopieren, schreiben von Begleitbriefen, „bewerbungsgerechte“ Fotos vervielfältigen, Couverts kaufen, frankieren, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt fahren, kostet an die 15 Euro pro Bewerbung.

40 Bewerbungen kosten somit 600 Euro. Es kommt zu 5 Vorstellungsgespräche, wobei es volkswirtschaftlich irrelevant ist, wer die Fahrkosten übernimmt.

Die durchschnittliche Entfernung zwischen Wohnort und Ort des Vorstellungsgesprächs beträgt 25 Km.

Eine Hin- und Rückfahrt mit der Bahn kostet im Durchschnitt 10 Euro und eine Mahlzeit am Ort der Vorstellung kostet 10 Euro mehr als eine zu Hause eingenommene Mahlzeit.

Damit entfallen auf die Vorstellungsgespräche insgesamt 100 Euro.

Weitere 100 Euro entfallen noch für Fahrten zum Job Center.

Somit hätte man bei einer hypothetischen Dauer der Arbeitslosigkeit von 40 Werktagen volkswirtschaftliche Gesamtkosten von 4.000 Euro.

Keynes´Loch?

Ist es noch aktuell?

Bei der üblicherweise länger dauernden Arbeitslosigkeit ist nicht nur mit einer entsprechenden Erhöhung der Bewerbungskosten und der Ausfallzeiten zu rechnen, sondern auch mit Behandlungskosten von psychosomatischen Erkrankungen, die üblicherweise auf eine längere Arbeitslosigkeit zurückzuführen sind.

Im schlimmsten Fall geht die Langzeitarbeitslosigkeit mit sozialem Rückzug, Zerrüttung von Familien und der damit verbundenen Verwahrlosung von Kindern. Daher stellt die Massenarbeitslosigkeit auch eine Hypothek auf künftigen Generationen dar.

Welchem volkswirtschaftlichen Gegenwert entsprechen diese Aufwendungen für Arbeitslosigkeit und Stellensuche?

Offensichtlich handelt es um völlig unproduktive Kosten, die sich die Gesellschaft nicht leisten dürfte.

Nur eine zentralisierte und vom Gutdünken von Personalberatern und privaten Human-Ressource-Spezialisten unabhängige öffentliche Arbeitsvermittlung ist in der Lage, diese gemeinwirtschaftlichen Kosten einzusparen.

Der Staat denkt volkswirtschaftlich (sollte es zumindest tun), die Privatwirtschaft betriebswirtschaftlich.

Wenn die öffentliche Arbeitsvermittlung die fachliche Eignung der Bewerber qualifiziert beurteilen soll, ist es unerlässlich, dass Vermittler und Berufsberater über einschlägige Kenntnisse und/oder Erfahrungen im ihnen zugewiesenen Fachbereich besitzen, sich über mehrere Jahre mit demselben Fachgebiet beschäftigen und ernsthaft Betriebsbesichtigungen und Gespräche mit Arbeitgebern vornehmen.

Es gibt immer noch keine anerkannte Ausbildung als Arbeitsvermittler.

Angesichts der oben erwähnten Probleme bei den herkömmlichen Verfahren der gemischten öffentlich/privaten Arbeitsvermittlung, schlage ich vor, das bereits vor einigen Dekaden (allerdings damals nur auf dem Papier) vorhandene Vermittlungsmonopol der Arbeitsagenturen wieder einzuführen.

Eine solche Regelung dürfte nur ganz wenige Ausnahmen zulassen, die nur einen nach objektiven Kriterien einmaligen Personenkreis betreffen.

Darunter verstehe ich vor allem Spitzenwissenschaftler, Wirtschaftsfachleute auf sehr speziellen Gebieten, Fachärzte mit besonderen Kenntnissen und Fertigkeiten und Künstler.

Von diesen wenigen Ausnahmen abgesehen, sollten nicht an die Arbeitsagentur gemeldete Stellen nicht besetzt werden dürfen.

Nach meinen Vorstellungen würde die Vermittlung so ablaufen:

a) Ein Unternehmen hat eine freie Stelle zu besetzen und meldet sie der Arbeitsvermittlung, wie es seine gesetzliche Pflicht ist. Dann erhält er von dieser ein Formular, auf dem die wichtigsten Anforderungen an einen Bewerber auf diese spezielle Stelle ausführlich beschrieben werden. Grundsätzlich ist auch das mündliche Gespräch zwischen Arbeitgeber und Arbeitsvermittler zu befürworten.

Zu den Angaben im Vermittlungsformular gehören: Ausbildung, ggf. Studium, Ausrichtung, Spezialkenntnisse, ggf. besondere bisherige Erfahrungen, ggf. körperliche Anforderungen, Fremdsprachenkenntnisse, frühester Eintrittstermin, ggf. Führerschein einer besonderen Klasse.

Folgendes gehört auf keinen Fall dazu: Alter, Geschlecht, Religionszugehörigkeit, Hautfarbe, nationale Abstammung, Wehrdienst, Zugehörigkeit zu politischen Parteien und Gewerkschaften, Familienstand, Kinderwunsch.

b) Die Arbeitsvermittlung erhält das ausgefüllte Formular und vergleicht die darin enthaltenen Anforderungen mit den Qualifikationen der als arbeitslos / Arbeit suchend gemeldeten Personen. Die Stellenausschreibung wird allen Dienststellen der Arbeitsagentur digital zur Verfügung gestellt. Falls erforderlich, kann diese Ausschreibung auch an anderen Arbeitsagenturen in EU-Mitgliedsstaaten und, bei Mangelberufen, auch den Botschaften/Konsulaten im EU-Ausland zur Verfügung gestellt werden. Es werden sorgfältig Profile von Bewerbern ausgesucht, die den Anforderungen des Arbeitgebers entsprechen. Sollten sich keine finden, dann ist das persönliche Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, um ihn ggf. in Spezialfällen von dem Besetzungsverbot von nicht gemeldeten Stellen zu entbinden.

Die Arbeitsvermittlung selbst vermittelt Vorstellungstermine zwischen Arbeitgeber und Bewerbern.

c) Wenn der Arbeitgeber keinen der Bewerber einstellt, die seinen Anforderungen entsprechen, dann soll er seine Entscheidung schriftlich einzeln und nachvollziehbar begründen. Zum Beispiel ist der gängige Pauschalsatz „nicht geeignet“ nicht mehr zulässig. Bei nicht einleuchtend erscheinenden Begründungen ist eine Anhörung des Arbeitgebers vorzusehen, um über das weitere Vorgehen zu befinden.

Bei dem von mir vorgeschlagenen System gäbe es nach Ablauf der Bezugsfrist für ALG 1 keine weiteren staatlichen Zuschüsse zum Lebensunterhalt ohne die uneingeschränkte Bereitschaft zur Arbeitsleistung.

Dies gilt selbstverständlich für Kranke, Behinderte und andere Personen nicht, die objektiv nicht in der Lage sind, einer Arbeit nachzugehen.

Arbeitsfähige Personen, die ALG 1 nicht mehr beziehen, werden sofort von einer staatlichen Anstalt in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen, dessen Entlohnung den Mindestlohn nicht unterschreitet.

Der Einfachheit halber werde ich von nun an diesen Personenkreis „Anwärter“ nennen.

Dieses Wort wurde beliebig gewählt und ist mit jeder anderen sinnverwandten Bezeichnung ersetzbar.

Die Anwärter werden nach Möglichkeit in ihrem eigenen Beruf eingesetzt.

Sollte dies nicht möglich sein, dann ist darauf zu achten, dass der Beruf, in den die Vermittlung erfolgt, von Charakter her nicht allzu weit vom erlernten Beruf liegt.

Wer völlig berufsfremd arbeitet, der verliert innerhalb kürzester Zeit den Anschluss an den neuen Entwicklungen im eigenen Beruf und wird später nicht mehr in der Lage sein, dort einzusteigen.

Dies gilt insbesondere für naturwissenschaftliche und technische Berufe, die eine ständige Anpassung des Wissens an neue Erkenntnisse und Forschungsergebnisse verlangen.

Wissen und Erfahrungen sind Gemeingut und sollten daher nicht leichtfertig unbrauchbar gemacht werden.

Außerdem wird ein Akademiker, der gezwungen wird, z. B. als Bote zu arbeiten, seinen Job ungern, und damit schlecht, verrichten.

Oberstes Ziel der Vermittlung ist, die Anwärter in feste Arbeitsverhältnisse zu vermitteln.

Solange ein Anwärter kein solches Arbeitsverhältnis gefunden hat, steht er der – ebenfalls öffentlichen – Zeitarbeit zur Verfügung und ist verpflichtet, bei jedem ihm von der Vermittlung vorgeschlagenen Vorstellungstermin zu erscheinen und sich um Einstellung zu bemühen.

Während Zeiten des Bezuges von ALG 1 und bei Anwärtern, die nur schwer einen Arbeitseinsatz finden, ist es sinnvoll, Fortbildungsmaßnahmen durchzuführen.

Allerdings sollte man sich stets vor Augen halten, dass solche Maßnahmen ausschließlich den Zweck erfüllen sollen, die Qualifikationen von Anwärtern besser in Einklang mit den Anforderungen der Wirtschaft und des Dienstleistungswesens in Einklang zu bringen, und nicht, dubiosen, oft aus der Not geborenen, Beratungsfirmen das schnelle Geschäft mit „Coaching“, „Bewerbungsseminaren“, „Rhetorik“, „Selbsterfahrung“ auf einem öffentlich bezahlten Silbertablett zu präsentieren.

Daher sollten nur solche Lehrgänge von der Arbeitsvermittlung vorgeschlagen werden, die zu einem anerkannten (IHK-Prüfung) Berufsabschluss oder zur Aktualisierung vorhandener Fachkenntnisse führen.

Darüber hinaus wäre es auch sinnvoll, Sprachkurse für ausländische Anwärter und Führerscheinkurse aller Klassen öffentlich zu fördern.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass viele Unternehmen nicht über das ganze Jahr hinweg gleichmäßig ausgelastet sind und daher bei Auftragsspitzen zusätzliche Arbeitskräfte benötigen.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Zeitarbeit, die sowohl als betriebliche Notwendigkeit als auch als Beitrag zur Senkung der Arbeitslosigkeit gesehen werden muss.

Auf keinen Fall soll die Zeitarbeit dazu dienen, den gesetzlichen Kündigungsschutz zu umgehen.

Dieser Missbrauch hat bereits zur Ausbildung jener ominösen - von den Medien allzu bereitwillig als selbstverständlich aufgenommenen – Konstruktion des „zweiten Arbeitsmarktes“ geführt.

Nach meinem Modell darf es eine solche Ausgrenzung nicht geben, da die öffentliche Vermittlung einerseits für eine gerechte Entlohnung und eine möglichst auf die Person zugeschnittene Beschäftigung der Anwärter, anderseits auch mit ständigen Vermittlungsbemühungen in Festanstellungen für eine höchstmögliche Durchlässigkeit der Grenzen zwischen Zeitarbeit und fester Betriebszugehörigkeit sorgen wird.

Ein zersplittertes Netz privater Zeitarbeit-Unternehmen, die oft Niederlassungen multinationaler Konzerne sind, kann nicht in der Lage sein, für einen fairen und sachgerechten Einsatz von Zeitarbeitern zu sorgen.

Private suchen die Nähe zu anderen Privaten und sind daher unweigerlich parteiisch, indem sie, die von den Unternehmen bezahlt werden, stets die Interessen ihrer Kunden, neben den eigenen, vor Augen haben werden.

Wenn ein ganzheitliches Konzept zur Vollbeschäftigung das Ziel ist, dann muss die reibungslose Zusammenarbeit von Arbeitsagenturen und Zeitarbeitsorganisatoren gewährleistet sein, nicht zuletzt, weil die Anwärter sich oft jahrelang zwischen beiden Modellen bewegen werden und daher die Übergänge als fließend zu gestalten sind.

Aus diesen Überlegungen heraus kann man die Zeitarbeit nicht den Privaten überlassen, Konsequenterweise sehe ich eine Verstaatlichung aller Zeitarbeitsunternehmen vor, ggf. bei Übernahme der bisherigen Belegschaft.

Bei einem ernst genommenen staatlichen Monopol der Arbeitsvermittlung ist dieser Schritt sowieso selbstverständlich.

Die staatlichen Zeitarbeit-Firmen arbeiten eng mit der öffentlichen Arbeitsvermittlung zusammen, stellen alle arbeitsfähigen Arbeitslosen nach Ablauf von ALG-I (auf Wunsch auch vorher) ein, bezahlen wenigstens das gesetzliche Mindestlohn (je nach Qualifikation und Leistung auch mehr), sorgen für ihren Einsatz entsprechend den Bedürfnissen der Betriebe, wobei stets die berufliche Qualifikation der Betroffenen und die fachlichen Bedürfnisse der Betriebe zu berücksichtigen sind.

Die Anwärter im staatlichen Zeitarbeitsunternehmen unterliegen denselben Rechten und Pflichten wie die Arbeiter und Angestellten in der Privatwirtschaft:

Dies bedeutet vor allem, dass Umstände, die in einer Privatfirma zu Sanktionen bis hin zur personenbedingten Kündigung führen würden, die gleiche Wirkung auch im staatlichen Betrieb mit sich ziehen.

Der einzige Unterschied ist, dass hier betriebsbedingte Kündigungen naturgemäß ausgeschlossen sind.

Rechtmäßig von den Staatsbetrieben entlassene Personen erhalten einen mit dem heutigen ALG II vergleichbaren Zuschuss zum Lebensunterhalt.

Dies gilt auch für die nachfolgend beschriebenen staatlichen Unternehmen.

Wenn private Zeitarbeitsfirmen heute am Werk sind, dann heißt es, dass man mit der Vermittlung von Zeitpersonal Geld verdienen kann.

Warum sollte der Staat nicht auch diese Form der Arbeitsvermittlung als hoheitlich ansehen und daran verdienen?

Da der Staat aber nach Mindestlohn bezahlen müsste, und zwar für die ganze Dauer des Beschäftigungsverhältnisses, unabhängig davon, ob der Anwärter tatsächlich Arbeit hat, wäre die Gewinnspanne des Staates wesentlich geringer als die, der privaten Zeitarbeitsfirmen.

Da aber der Staat gesamtwirtschaftlich denkt, würden die ersparten Transferleistungen, die Ankurbelung der Binnennachfrage aufgrund wieder planbar gewordener Lebensumstände und der Rückgang der Behandlungskosten für die psychosomatischen Erkrankungen der Arbeitslosen die Differenz zwischen dem Gewinn der privaten und dem der öffentlichen Zeitarbeitsvermittlung volkswirtschaftlich mehr als kompensieren.

2. Sollte die öffentliche Arbeitsvermittlung auf längere Sicht doch nicht imstande sein, die breite Mehrheit der Stellenbewerber zu beschäftigen, dann sollte man die Gründung von Staatsunternehmen in Erwägung ziehen.

Diese sollten, sofern es möglich und sinnvoll ist, nach betriebswirtschaftlichen Kriterien, aber mit bescheidenen Gewinnmargen, auf Gebieten tätig sein, auf denen sie nicht in unmittelbarer Konkurrenz zur Privatwirtschaft stehen.

Z.B. Herstellung von Medikamenten gegen seltene Erkrankungen, Verstärkung des Pflege- und Hilfspersonal in Krankenhäusern, Altersheimen und bei der häuslichen Pflege, Aufstockung des Personals in Amtsstuben, auf Postämtern und Bahnhöfen, in Ausnahmefällen auch bei Privatunternehmen mit Publikumsverkehr, jedoch hier sollte der Einsatz von vom Staat entlohnten Beschäftigten im Einvernehmen mit Betrieben und Betriebsräten erfolgen und ggf. das Kombilohn-Modell Anwendung finden.

Zusätzliches Service-Personal käme der gesamten Volkswirtschaft zugute, weil mehr Bürger ihre ganze Arbeitskraft ihrer eigentlichen Aufgabe widmen könnten und nicht z.B. wegen Behördengänge von der Arbeit fernbleiben oder z. B. wegen einer Schlange am Postschalter die Mittagspause überziehen würden.

Das Ergebnis wäre eine Steigerung der Produktivität pro bezahlte Arbeitsstunde.

In letzten Zeiten sind allerorts Einsparungen an Dienstleistungspersonal aus Kostengründen vorgenommen worden und dies konnte nur zum Teil mit dem Einsatz von Maschinen kompensiert werden.

Jeder, der sich wegen eines defekten Automaten am Bahnhof, auf der Bank, im Flur einer Amtsstube ärgert, wird verstehen, dass ein menschlicher Ansprechpartner in den meisten Bereichen unersetzlich ist, da kein PC auf der Welt in der Lage ist, Anfragen, die von den standardmäßigen FAQ abweichen, zu beantworten, Auskunft über das Verhalten in Sonderfällen zu erteilen, auf individuellen Bedürfnisse einzugehen.

Das Personal von Staatsunternehmen erhält auf jeder Ebene ein Grundgehalt und eine erfolgsabhängige (ggf. auch leistungsabhängige) Prämie, die 20% der Gesamtbezüge nicht übersteigt, damit „Leistung sich lohne“.

Auch eine Karriere ist in einem Staatsbetrieb möglich, wenn Mitarbeiter über besondere Qualifikationen verfügen oder einen außerordentlichen Einsatz bei der Arbeit an den Tag legen.

Die Vergütung bei einem Staatsunternehmen wird in der Regel etwas niedriger als in der Privatwirtschaft ausfallen, so dass ein Wechsel in die letztgenannte von vielen angestrebt werden wird.

Dabei kann die öffentliche Arbeitsvermittlung auch behilflich sein, sie wird aber dazu neigen, bei gleicher Qualifikation denjenigen Bewerbern den Vorzug zu geben, die sich noch als Anwärter im Zeitarbeitsbetrieb befinden.

Vollbeschäftigung geht mit dem Grundsatz einher, dass alle Menschen ein gleiches Arbeitszeit-Pensum zu leisten haben.

Da die Arbeit, die Chance, in der Arbeitswelt eine eigene Leistung zu erbringen, zum Leitgedanken des Systems avanciert, ist dafür zu sorgen, dass niemand wesentlich länger arbeite als der Durchschnitt der Beschäftigten, sonst würde dieser mehr „Ware Arbeit“ für sich in Anspruch nehmen und andere würden dafür kürzer treten müssen.

Daher wird man versuchen, Überstunden auf ein unverzichtbares Minimum zu reduzieren.

Das Leisten von unbezahlten Überstunden ist grundsätzlich unzulässig, sowohl in privaten als auch in öffentlichen Betrieben:

Ausnahmen, die vor allem festgesetzte Personenkreise, wie z.B. Ärzte, Mitarbeiter des Zivilschutzes und in der Forschung tätige Personen betreffen, bedürfen einzeln einer behördlichen Sondergenehmigung.

Bezahlte Überstunden werden mit 200% des Normallohns vergütet (Nacht und Feiertag: 300%) und setzten die schriftliche Einwilligung des Arbeitnehmers (möglichst in Anwesenheit eines Betriebsrates) voraus, damit kein Zwang zur Leistung von Mehrarbeit ausgeübt werden könne.

In einer Gesellschaft, die das Druckmittel der Entlassung in die Arbeitslosigkeit nicht kennt, sind ohnehin die Möglichkeiten, Zwang auf die Mitarbeiter auszuüben sehr beschränkt.

Nichtsdestotrotz wird es wahrscheinlich immer noch Fälle von Mobbing geben und es besteht die Gefahr, dass ein solches kriminelle Verhalten verharmlost werde, angesichts der Tatsache, dass man in der von mir skizzierten Gesellschaftsordnung man niemanden mehr dadurch aus der Arbeitswelt aussondern würde.

Da aber der Mensch keine Maschine ist, reichlich über Gefühle verfügt, eine eigene Wertschätzung besitzt und für psychische Kränkungen anfällig ist, sollte man in Zukunft härtere Strafen gegen erwiesene (gerichtlich verurteilte) Mobbing-Täter verhängen, sowohl als Abschreckung, als auch um solche Personen in Zukunft daran zu hindern, sich erneut an Menschen zu vergehen.

Daher plädiere ich für Haftstrafen ohne Bewährung und mit Eintragung ins Strafregister bzw. für sehr hohe Geldstrafen, die sowohl das Opfer für das gelittene Gesundheitsschaden als auch den Staat für die gesundheitliche Folgekosten einer Mobbing-bedingten Erkrankung entschädigen würden.

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 04. November 2011 um 13:55 Uhr  

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